Um den Punktgewinn gebracht

2. Frauen-Bundesliga: SV Meppen – FF USV Jena 3:2 (2:2)

Um den Punktgewinn gebracht

Nach einer couragierten Leistung im Emsland musste sich der FF USV Jena dem SV Meppen knapp mit 2:3 (2:2) geschlagen geben. Ein Punkt wäre für die Mannschaft von Steffen Beck mindestens verdient gewesen, doch eine speziell im zweiten Durchgang unglückliche Schiedsrichterleistung verhinderte dies.

Beginnen wir chronologisch: nach einer Schweigeminute für die vor kurzem im Alter von 51 Jahren verstorbene Heidi Mohr, eine Größe des deutschen Frauenfußballs in den Neunzigerjahren, pfiff Schiedsrichterin Anne Uebach aus Mainz die Partie unter strahlendem Sonnenschein auf dem Kunstrasennebenplatz der Meppener Hänsch-Arena an.

Jenas Trainer änderte seine Startelf auf einer Position im Vergleich zur Vorwoche: für Anne Güther rückte Tina Kremlitschka wieder in die Hintermannschaft, die zurückgekehrte Anna Weiß nahm zunächst auf der Bank Platz.

Die ersten Minuten gehörten den Gastgeberinnen: nach einer Ecke von der linken Seite konnte Tina Kremlitschka noch auf der Linie klären, beim anschließenden Nachschuss durch Jasmin Jabbes war jedoch auch Keeperin Sarah Hornschuch machtlos – die frühe Führung für die ebenfalls Blau-Weißen (10.). Nur kurz darauf schon der zweite Treffer, erneut nach einer Standardsituation: ein zentraler Freistoß von Jalila Dalaf knapp hinter der Strafraumgrenze ist für Hornschuch erst spät zu sehen, Elisa Senß staubt zum 2:0 ab (13.).

Zwei Tore Rückstand nach einer Viertelstunde – in der Hinrunde hätte man als Jenaer Anhänger nun die Arme über dem Kopf zusammengeschlagen, doch die Jenaer Mannschaft gab sich nicht auf und kämpfte sich zurück. Zwar stand man in der Defensive vor der Pause nicht so sicher wie zuletzt und hatte insbesondere im Spielaufbau in der eigenen Hälfte ein paar Probleme gegen körperlich robuste Meppenerinnen, doch im Laufe der ersten Halbzeit wurde man von Minute zu Minute besser.

In der 34. Minute fiel der Anschlusstreffer für die Thüringerinnen: ein langer Diagonalball auf die auf der rechten Außenbahn startende Lara Schmidt wurde von dieser in eine mustergültige Flanke verwandelt, die am langen Pfosten Lisa Seiler fand. Jenas Urgestein setzte sich gegen die herauseilende Meppener Torhüterin Charetha Okken durch und köpfte zum verdienten 2:1 ein.

Wie auch die Emsländerinnen brauchte der FF USV für seine zwei Treffer vor der Pause nur wenige Minuten: erneut war es ein Ball von der linken auf die rechte Seite des Spielfeldes, diesmal war Leonie Kreil zur Stelle, die vor Okken nicht lange überlegte und souverän ins lange Eck abschloss – 2:2 (39.). Für Kreil war es der erste Pflichtspieltreffer im Trikot des FF USV.

Noch vor der Pause egalisierte die Beck-/Osterbrink-Elf den frühen Rückstand – eine Leistung, die durchaus von Moral geprägt war.

Nach der Pause hatte zunächst der SV Meppen wieder eine Großchance, einen Torschuss nach schnell ausgespieltem Konter lenkte Jenas Nummer Eins, Sarah Hornschuch, im letzten Moment an den Pfosten und konnte den Abpraller sicher aufnehmen.

Danach spielten praktisch nur noch die Gäste aus dem Paradies. Fehlten zwar die wirklichen Großchancen, so überzeugte man jedoch mit aufopferungsvollen Zweikämpfen, Einsatz für die eigenen Mitspielerinnen und großartigen Kombinationen im Spielaufbau.

Die entscheidende Szene des Spiels fand eine Viertelstunde vor Abpfiff auf dem Feld statt: um einen Torschuss abzuwehren, warf sich Kapitänin Susann vor die Gegenspielerin und bekam aus etwa zwei Metern den Ball an den Arm – die Physik bot ihr keine andere Möglichkeit hierfür. Schiedsrichterin Anne Uebach zeigte unter großem Protest der Jenaer Spielerinnen und des Trainerteams auf den Elfmeterpunkt. Jalila Dalaf ließ es sich nicht nehmen, den Ball unhaltbar für Sarah Hornschuch im Kasten zu versenken (77.).

Die Führung für den SV Meppen war zu diesem Zeitpunkt durchaus glücklich, das wussten auch die Jenaerinnen und gaben noch einmal alles, um zumindest zum Ausgleich zu kommen. Die größte Möglichkeit bot sich Lisa Seiler, die nach einer Ecke von Merza Julević knapp über das Tor schoss.

In der Nachspielzeit der letzte einer Reihe von Aufregern: nachdem es das Schiedsrichtergespann bereits im ersten Durchgang verpasste, mit gelben Karten einige rohe Szenen zu unterbinden – Susann Utes musste nach einem fiesen Tritt behandelt werden, konnte glücklicherweise weiterspielen – und im zweiten Durchgang Karten zulasten der Gäste verteilt wurden, kam es im Meppener Strafraum zu einem Handspiel, wie es wenige Minuten zuvor auf der anderen Seite zu einem Elfmeter führte. Nun blieb der eigentlich fällige Pfiff jedoch aus, dafür folgte der Schlusspfiff, die Freude der Meppenerinnen und die Wut der Jenaerinnen.

„Ich bin sauer“, so Steffen Beck nach Abpfiff, „man kann in Meppen verlieren, aber so, wie wir uns in die Partie zurückgekämpft haben und der zweite Durchgang klar an uns ging, sind die Umstände der Niederlage unerklärlich.“

Der SV Meppen rückt damit auf drei Punkte in der Tabelle an Jena heran, das am kommenden Sonntag den 1. FFC Frankfurt II im Paradies empfängt.

„Mit unserem Auftreten, insbesondere nach dem frühen Rückstand und der mannschaftlich geschlossenen Leistung bin ich nichtsdestotrotz zufrieden. Wir wussten vorher, dass der Moment kommt, an dem wir wieder ein Spiel verlieren werden. Nun müssen wir halt nächste Woche gegen Frankfurt wieder punkten!“, so die abschließenden Sätze des Trainers vor der siebenstündigen Rückfahrt nach der denkwürdigen Niederlage im Emsland.

 

SV Meppen: Okken, Fullenkamp, Becker (64. Gismann), Weiss, Dalaf, Berentzen, Senß, Schulte, Shimoyamada (79. Kossen), De Boer, J. Jabbes (46. Preuß)

FF USV Jena: Hornschuch, Utes, Müller, Schmidt, Julević, Kreil, Arnold, Seiler, Graser, Tellenbröker, Kremlitschka (85. Weiß)

Tore: 1:0 J. Jabbes (10.), 2:0 Senß (13.), 2:1 Seiler (34.), 2:2 Kreil (39.), 3:2 Dalaf (77./Handelfmeter)

Gelbe Karten: Preuß / Julević, Graser, Utes, Kreil

Schiedsrichterin: Anne Uebach (Mainz)

 

Foto: Hannes Seifert / FF USV Jena

 

 
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