Steffen Beck als Trainer offiziell verabschiedet

Großes Abschlussinterview mit dem scheidenden Cheftrainer.

Steffen Beck als Trainer offiziell verabschiedet

Seit vier Jahren steht Steffen Beck in Jena an der Seitenlinie, erst als Co-, seit dieser Saison als Cheftrainer – eine gemeinsame Zeit, die sich dem Ende neigt, denn ab Sommer steht der 55-Jährige als Trainer der U20 und Nachwuchsleiter beim VfL Wolfsburg unter Vertrag.

Im Rahmen des Heimspieles gegen den FSV Hessen Wetzlar (1:0) wurde Steffen Beck von den Vereinsvorständen Torsten Rödiger und Günther Reißmann offiziell verabschiedet. Wir haben zum Abschied lange mit dem Inhaber der Trainer-A-Lizenz über die vergangenen Erlebnisse in Jena und über die Zukunft gesprochen.

Hallo Steffen, nur noch wenige Tage und Wochen, dann endet unsere Zusammenarbeit in Jena nach vier Jahren.

Ich kann mir das ehrlich gesagt noch gar nicht richtig vorstellen, dass ich bald nicht mehr hier bin. Ganz bewusst verschwende ich aber auch keine Gedanken an das, was ab Sommer kommt. Dafür sind wir im Moment noch viel zu beschäftigt und haben große Ziele vor uns. Da bleibt gar keine Zeit für Gedankenspiele.

Der VfL Wolfsburg, dein neuer Arbeitgeber, zählt sportlich und auch finanziell zu den Top-Adressen des Frauenfußballs in Europa. Wie hast du reagiert, als du von dem Angebot erfahren hast?

Natürlich habe ich mich geehrt gefühlt. Ich sehe es als Bestätigung meiner Arbeit der letzten Jahre, es spricht aber auch für die Qualität insgesamt in Jena, dass man gerade hier Ausschau hält. Für mich ist es ein Riesenkompliment, dass man mir die komplette Entwicklung des Nachwuchses anvertraut.

Was findest du an deiner neuen Aufgabe, Leiter des Nachwuchses und gleichzeitig Cheftrainer der U20, dem derzeitigen Ligakonkurrenten des FF USV in der 2. Frauen-Bundesliga, besonders reizvoll?

Ich freue mich darauf, die sportliche und menschliche Entwicklung der jungen Talente voranzubringen. Mein Ziel soll es sein, mehr Spielerinnen an die Profimannschaft heranzubringen und neue Entwicklungen anzustoßen. Natürlich wird es auch schön sein, wenn man bei der Arbeit im Verein etwas weniger aufs Budget schauen muss.

Der VfL ist deine vierte Trainerstation. Wie hat der Weg von Steffen Beck am Spielfeldrand begonnen?

Los ging es im Jahr 2002 bei Blau-Weiß Ragow, als ich bei den G-Junioren meinen Sohn trainiert habe. Zeitgleich war ich Torwarttrainer der ersten Männermannschaft. Später bin ich Co- und Cheftrainer in Ragow geworden und 2011 zu den Frauen des 1. FC Union Berlin gewechselt. Dort haben wir im Jahr 2014 den Aufstieg in die 2. Frauen-Bundesliga, damals noch in zwei Staffeln, geschafft, sind nach nur einem Jahr aber wieder abgestiegen. Trotzdem war es eine sehr schöne Zeit in Berlin, wir sind 2014 Berliner Pokalsieger geworden und haben dreimal die Berliner Hallenmasters gewonnen.

Nach vier Jahren bei Union stand 2015 der Wechsel nach Jena an. Wie kam es dazu?

Ich habe über Facebook gesehen, dass der Verein einen Co-Trainer sucht und mich beworben. Dann hatte ich ein Gespräch mit dem damaligen Trainer Daniel Kraus und im Anschluss ging alles ganz schnell und ich war hier.

Von der Bundeshauptstadt ins beschauliche Thüringen, dafür hinauf in die erste Bundesliga – haben sich deine Erwartungen erfüllt?

Ja und nein. Natürlich hat man an einen Bundesligisten große Erwartungen, doch auch in Jena kocht man nur mit Wasser. Das war aber nicht schlimm, denn ich habe mit vielen herausragenden Fußballerinnen und vielen Nationalspielerinnen zusammengearbeitet. Es hat auch menschlich gepasst.

Vier Jahre Jena – auch wenn der größte Erfolg hoffentlich noch kommen soll – was waren bisher deine schönsten Erlebnisse hier bei uns?

Besonders war auf jeden Fall die Schul-Weltmeisterschaft 2017 in Prag mit dem Jenaer Sportgymnasium, als wir einen fantastischen dritten Platz erreicht haben. Das war eine tolle Mannschaft, mit Tina Kremlitschka, Lara Schmidt, Sandra Müller, Maren Tellenbröker, Anna-Lena Riedel und Annika Graser sind ja jetzt viele in unserer Zweitligamannschaft untergekommen.

In guter Erinnerung behalte ich aber auch unsere beiden Derbysiege gegen Turbine Potsdam in meinem ersten Jahr beim FF USV. Zweimal gewinnen und in der Abschlusstabelle vor Potsdam zu stehen, kam in Jena bisher nur dieses eine Mal vor und ist etwas ganz Besonderes.

Du hast als Co-Trainer unter Daniel Kraus (2015/16) und Christian Franz-Pohlmann (2016) angefangen, warst zwischendurch kurz Interimstrainer, aber auch Chef des Jenaer Nachwuchsleistungszentrums und Spezialsportlehrer am Jenaer Sportgymnasium und hast dann anderthalb Jahre wieder unter Katja Greulich (11/2016-2018) gearbeitet, in dieser Saison warst du Cheftrainer. Hast du nach den ersten Niederlagen Saison geglaubt, dass wir so eindrucksvoll zurückkommen können?

Unsere Vorbereitung war nicht gut, wir hatten eine komplett neu zusammengestellte Mannschaft, viele Verletzte und Nationalmannschaftsabstellungen. Was wir nicht hatten, war Zeit. Aber jedem, der sich mit mir unterhalten hat, habe ich gesagt, dass wir ein gutes Team haben, dass um den Aufstieg mitspielen kann. Mir war klar, dass das nicht einfach werden würde. Aber auch bei den hohen Niederlagen konnte man sehen, dass wir nicht chancenlos waren, wir haben nur die Tore nicht gemacht. Zu sagen, dass wir es mit einem Punkt und 2:16 Toren aus fünf Spielen am Ende noch schaffen würden, wäre natürlich vermessen, aber ich habe immer an uns geglaubt.

Du hast gesagt, du hast dich in Jena sportlich und menschlich weiterentwickelt. Woran machst du das fest?

Ich habe hier unter und mit verschiedenen Trainern, darunter zwei Fußballlehrern, gearbeitet. Da kann man sich natürlich eine Menge für seine eigene Arbeit mitnehmen. Sowohl Daniel Kraus als auch Katja Greulich haben sehr akribisch gearbeitet. Ich denke aber auch, dass ich speziell im Umgang mit den Spielerinnen viel gelernt habe.

Immer auf dem Fußballplatz: Training, Spielvorbereitung, Analysen, Taktikbesprechung, dazu lange Auswärtsfahren und Übernachtungen im Hotel – da bleibt nicht viel Zeit. Wie kannst du auch mal vom Fußball abschalten?

Das ist tatsächlich sehr schwierig, denn ich bin eigentlich immer auf dem grünen Rasen unterwegs. Aber das Wichtigste ist die Familie, auch wenn ich leider viel zu selten Zeit mit ihr verbringen kann. Aber meine Liebsten geben mir sehr viel Kraft, auch in schwierigen Zeiten.

Wir haben auch einen Hund, bei gemeinsamen Spaziergängen kann ich sehr gut abschalten und über verschiedene Dinge nachdenken. Zudem habe ich in Jena das Joggen für mich entdeckt und ein paar gute Routen gefunden.