Solche Geschichten schreibt nur der Fußball!

SV Bedburg-Hau unterstützt die Rettungskampagne des FF USV Jena.

Solche Geschichten schreibt nur der Fußball!

SV Bedburg-Wer? Direkt an der holländischen Grenze liegt die nordrhein-westfälische Kleinstadt Bedburg-Hau. Die 13000 Einwohner besitzen den hiesigen Sportverein SV Bedburg-Hau, der unter dem Namen Kämpferherzen ein Talentförderzentrum für Frauen- und Mädchenfußball betreibt. Dessen U17 spielt in der B-Juniorinnen-Regionalliga West.

Über das Qualifikationsturnier am 16. Dezember 2018 konnte sich die Mannschaft des Trainergespanns Sven Rickes/Florian Bahl erstmals für die Gütersloher Hallenmasters (11.-13. Januar 2019) qualifizieren. In der 19. Auflage der inoffiziellen deutschen U17-Juniorinnen-Hallenmeisterschaft belegte man zwar in einer starken Vorrundengruppe punktlos den letzten Platz hinter der TSG 1899 Hoffenheim, dem VfL Wolfsburg und dem Magdeburger FFC, sicherte sich in der Hauptrunde mit einem 2:2 gegen den Hamburger SV und einem 1:0 gegen den SV Rengsdorf jedoch einen vierten Rang und trat somit im abschließenden Spiel um Platz sieben des B-Turniers an.

Zwischen dem FF USV Jena und dem SV Bedburg-Hau gab es bisher überhaupt keinem Aufeinandertreffen – wie auch – wusste man in Jena zugegebenermaßen vor diesem Fußballwochenende gar nicht von der Existenz dieser Stadt.

An den ersten beiden Turniertagen nahm man die grün-weißen Bedburger auch nur am Rande wahr. Die Niederlagen gegen die guten Magdeburgerinnen, die gewohnt starken Hoffenheimerinnen und die amtierenden deutschen B-Juniorinnen-Meister vom VfL Wolfsburg, wenn auch nur mit einer vermeintlichen B-Elf angetreten, waren vorhersehbar. Der SV Bedburg-Hau war in allen Spielen bemüht und gab sein Bestes, trotzdem war ein Klassenunterschied erkennbar.

Jenas Team hingegen fuhr Siege ein, wurde im Verlauf des Turnieres immer besser und konnte sich zwischenzeitlich durchaus Chancen auf den Titelgewinn ausrechnen. Entsprechend euphorisch war der Jenaer Fanblock. Die Anhänger der „Powerfrauen im Paradies“ haben sich die jährlichen drei Tage Wahnsinn in der Halle fest im Kalender notiert und waren wie schon im letzten Jahr mit einem sieben Personen (laut-)starken Aufgebot, unterstützt durch zahlreiche Spielerinnen-Eltern, vor Ort. Vor zwölf Monaten wurde man von der Turnierleitung mit dem inoffiziellen Titel des Stimmungsmeisters verabschiedet, mit einer Selbstverständlichkeit nahm man sich diesem Ziel auch im Jahr 2019 wieder an.

In den langen Pausen zwischen den Spielen die Kräfte sammeln, um dann innerhalb von zehn Minuten genau wie die eigenen Mädels auf dem Feld alles zu geben, das trieb die Fans an. Umso positiver die Emotionen dann, wenn man von der Tribüne spürte, dass der Glaube an den Sieg auf die Mannschaft überschwappt.

Der Zufall ergab es, dass die Jenaer Fans im gleichen Hotel in der Gütersloher Innenstadt übernachteten wie die Trainer der Bedburgerinnen. Am Samstagabend kam man so in der Hotellobby ins Gespräch. Der Coach der Grün-Weißen sprach dabei ein großes Kompliment an die FF-USV-Anhänger aus, mit welcher Leidenschaft sie ihr Team anfeuern. Jedes Wochenende quer durch die Republik zu reisen, noch dazu für eine Nachwuchsmannschaft – davon zeigte er sich schwer beeindruckt.

Am Ende hatte er einen Wunsch, einen zugegebenermaßen etwas kuriosen: nur einmal, nur für zehn Minuten würde er sich freuen, wenn auch seine Mannschaft, die kleinen Mädels aus Bedburg einen ähnlichen Support erleben dürften.

Eine fremde Mannschaft anfeuern? Aus einer Stadt, von der man noch nie gehört hat? Eine Mannschaft, die sicher auf einem der letzten Ränge des Turniers landen wird? Warum? Ja wieso denn eigentlich nicht!

Recht schnell setzte sich in Jenas Fanclub eine positive Einstellung durch – „das machen wir selbstverständlich!“ Bedburgs Trainer hielt es zu diesem Zeitpunkt wohl selbst noch für einen Scherz. Doch als die Jenaer Fans am nächsten Morgen extra ein paar Minuten früher aufstanden, um gegen 8.42 Uhr die eintreffenden Zuschauer mit einem kräftigen „Jena- und Bedburg-Fans, seid ihr da?“ zu wecken, war allen klar: jetzt ist Party in der Halle! An manchen Stellen musste in den Fangesängen improvisiert werden, doch Unterschiede zu einem Spiel des FF USV waren nicht wirklich auszumachen. Als Anna Schneider dann den ersten Treffer für die Bedburgerinnen erzielte, wurde dieser genauso zelebriert wie das Siegtor von Susann Utes in der Nachspielzeit der Zweitligapartie beim FSV Hessen Wetzlar. Dem dreifachen Namensausruf kam dabei glücklicherweise entgegen, dass die Bedburger Trikots mit den Spielernamen beflockt waren.

Leider ging die Partie gegen Borussia Mönchengladbach mit 2:4 verloren, doch Bedburg-Hau sicherte sich trotzdem den Einzug ins Spiel um Platz sieben des B-Turniers. Erneut unter lautstarkem Anfeuern, vielleicht auch gerade deswegen, trotzte man dem SC 13 Bad Neuenahr ein 3:3-Unentschieden ab und sicherte sich einen starken siebten Platz!

Jenas sportliche Aufgabe war hingegen etwas schwerer anzusiedeln: im Halbfinale stand mit Bayer 04 Leverkusen keine geringere Mannschaft als der Vorjahressieger gegenüber. Die Bedburgerinnen revanchierten sich für die Unterstützung, kamen geschlossen in den Jenaer Fanblock und sangen – inklusive ihrer Trainer – die blau-weißen Fangesänge mit. Anfängliche Textprobleme waren schnell überwunden und es entwickelte sich ein Fußballchor, den es in dieser Form wohl nie zuvor gegeben hatte! Leider konnte die Mannschaft von Anne Pochert diesen Zusammenhalt nicht auf dem Feld für sich nutzen, verlor knapp mit 0:1 und sicherte sich anschließend gegen Turbine Potsdam den vierten Rang in der Turnierwertung.

Die Bedburgerinnen bedankten sich hinterher überschwänglich für diesen unvergesslichen Sonntag und klatschten einzeln mit den Jenaer Anhängern ab. Auch nach dem Turnier zeigte man sich auf Facebook noch sehr emotional:

 

„Liebe Fans des FF USV Jena: wir werden Euch auf ewig verbunden sein! Dass ihr, vom großen Traditionsclub Jena, uns den ganzen Sonntag lang angefeuert habt, als wärt ihr unser Fanblock, war uns eine große Ehre! Was immer, wann immer ihr uns braucht – wir sind da! DANKE! DANKE! DANKE!“

 

Leider bieten sich Freundschaftsspiele gegeneinander bei der Entfernung von über 500 Kilometern nur schlecht an, doch wir haben den Ausspruch „wir sind da!“ beim Wort genommen und baten den SV Bedburg-Hau, auf seinen Plattformen für unsere Rettungskampagne Werbung zu machen.

Was haben wir uns davon erwartet? Nun ja, Werbung ist immer gut, doch von der gedachten Reichweite und der Relevanz, noch dazu bei dieser doch sehr übersichtlichen gemeinsamen Verbindung, hatten wir uns keine großen Erfolge versprochen.

Weit gefehlt! Denn was man in Nordrhein-Westfalen noch am gleichen Tag für uns auf die Beine stellte, lässt selbst den gefühlskältesten Menschen die Gänsehaut aufstehen. Innerhalb von nicht einmal vier Stunden sammelten die Bedburgerinnen insgesamt 500 Euro in ihren Mannschaftskassen und zahlten sie in unsere Gofundme-Kampagne ein, um einen kleinen Beitrag zum Erhalt des Jenaer Frauenfußballs zu leisten.

Eine solche Solidarität hätten wir uns im Traum nicht vorstellen können und ließ uns, als wir davon erfuhren, ein paar Tränen in den Augen stehen! Diese Geste ist keineswegs selbstverständlich – auch wenn wir leider nicht persönlich vorbeikommen können, wir sagen DANKE! DANKE! DANKE!

Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft! Solche Geschichten schreibt nur der (Frauen-)Fußball!

 

Foto: Homepage des SV Bedburg-Hau

 

 

 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok