Zwischen Gewehrkugeln, Baden im Meer und Schnee in den Berggipfeln

Drei Fans des FF USV Jena waren in der Länderspielpause zu Gast beim Zypern-Cup und berichten von ihren Erlebnissen.

Zwischen Gewehrkugeln, Baden im Meer und Schnee in den Berggipfeln

Eine neue Jenaer Fanreise-Tradition scheint sich im Jahreskalender zu etablieren. Bereits zum zweiten Mal stand Ende Februar und Anfang März die Mittelmeerinsel Zypern und das dortige Nationalmannschaftsturnier auf dem Programm. Aus vier Tagen und zwei Mitfahrern (oder besser -fliegern) im Jahr 2018 wurden nun schon zwölf Tage und drei Weltenbummler. Frauenfußball, Sightseeing und Badeurlaub in einem Paket – für weniger als 300 Euro insgesamt – großer Sport!

 

Die Anreise

Mit dem Flugzeug ging es am Abend des 26. Februar von Berlin-Schönefeld aus in Richtung Larnaka. Zumindest für zwei Passagiere, denn aufgrund einer wichtigen Uni-Prüfung reiste der letzte Teilnehmer individuell einen Tag später an: mit dem Nachtzug über München nach Wien und von dort ab in den Flieger. Doch dieser Umweg hat sich gelohnt – nicht nur wegen der Prüfungsnote, sondern auch wegen der Eintages-Erkundung der österreichischen Hauptstadt.

Die Unterkunft

In der zypriotischen Hafenstadt bewohnten wir eine große Ferienwohnung mit zwei Schlafzimmern, Balkon und Blick sowohl auf das Mittelmeer als auch auf das Inselhinterland. Ein Supermarkt, der uns mit den wichtigsten Utensilien sowie den täglichen Croissants zum Frühstück versorgte, war fußläufig erreichbar. Zudem stand uns ein Mietwagen, ein kleiner Kia Picanto, während des gesamten Urlaubs zur Verfügung. Auch wenn er nicht der Allerschnellste war und auf manchen Bergtouren an seine Grenzen gelangte, verrichtete er treu seine Dienste und ließ uns auf eigene Faust die Insel erkunden. Wenn wir am Abend nicht noch unterwegs waren und die landestypische Küche ausprobierten, bot uns die geräumige Küche auch die Möglichkeit, unseren eigenen kulinarischen Fähigkeiten freien Lauf zu lassen.

Das Wetter

Aus dem letzten Jahr waren wir beste Bedingungen auf Zypern gewöhnt. Doch leider wurden wir an den ersten Reisetagen kalt erwischt – im wahrsten Sinne des Wortes: kaum über 15 Grad, dazu eine ganze Menge Regen. So konnte man durchaus die Abendspiele mit bis zu drei Jacken, Schal und Mütze von der Tribüne aus verfolgen. Gleich zwei Vorrundenspiele mussten wegen sintflutartigen Regens unterbrochen werden. Kurios, dass es beide Male die Italiener betraf…

Doch im Laufe des Turnieres wurden die Bedingungen immer besser – Sonnenschein, über 20 Grad, nur wenige Wolken – und man konnte auch guten Gewissens im Mittelmeer baden gehen. Eine Wetterüberraschung stand uns für den vorletzten Tag jedoch noch bevor – später mehr dazu.

 

Das Turnier

Zwölf Mannschaften aus allen Kontinenten nahmen am Zypern-Cup 2019 teil, der sich neben Algarve Cup oder SheBelieves Cup fest im Länderspielkalender etabliert hat. Gespielt wurde zunächst eine Vorrunde in drei Vierergruppen und ein abschließender Finaltag mit den Platzierungsspielen. Fast alle Spiele wurden in Larnaka ausgetragen, was es unserer Reisegruppe möglich machte, bis zu drei Partien an jedem der vier Spieltage zu besuchen. Die Auswahl war oft schwierig und bot kleine Diskussionen: Tschechien und Belgien? Klar, da spielen unsere ehemaligen FF-USV-Mädels Lucie Voňková und Justien Odeurs! Österreich? Viele Bekannte aus der Bundesliga. Mexiko und Nigeria? Mal was Neues! Südafrika? Die haben uns im letzten Spiel nicht überzeugt.

Leider zog es sich durch die Vorrunde, dass wir uns oft für die falschen Partien entschieden und am Ende ein karges und torarmes Ballgeschiebe zu sehen bekamen, während nebenan (zwei der Stadien trennte tatsächlich nur ein Parkplatz) ein Tor nach dem anderen fiel.

Auch war die Organisation des Turnieres nicht immer professionell. Auf ein Catering mussten wir bis auf zwei Spiele immer verzichten (Instant-Kaffee und sparsam belegte Brötchen für drei Euro). Einmal war es den Mannschaften sogar vorbehalten, ihre Nationalhymen a capella zu singen – für alle Beteiligten etwas ungewohnt. Ein großer Pluspunkt sei jedoch erwähnt: Eintritt kostete keines der Spiele.

Am Finaltag erlebten wir dann endlich spannende Partien: nach einem 3:0-Sieg Finnlands über Südafrika im Spiel um Platz neun in Paralimni (eigentlich war Südafrika die Mannschaft mit den besseren Anlagen, doch drei Torwartfehler taten ihr übriges) entschieden wir uns für die Partie zwischen Tschechien und Mexiko im Stadion von Andonis-Stadion von Anorthosis Famagusta. Die Mannschaft um Kapitänin Lucie Voňková dominierte die Partie über weite Strecken und hätte durch einen Elfmeter der Ex-Jenaerin in Führung gehen müssen. Doch die Münchnerin setzte den Ball an die Latte und aus dem Nichts erzielten weniger später die Mittelamerikanerinnen die Führung. Tschechien gelang zwar der Ausgleich, doch erneut setzten sich die Mexikanerinnen mit einem Tor ab und brachten den Sieg über die Zeit.

Das Finale

Das mit Abstand beste Spiel sollte das Finale des Turniers sein – passend zum Finale nahmen auch die mit Abstand besten Mannschaften teil: Italien und Nordkorea. Da auch einige andere Teams das Spiel im zugegebenermaßen etwas baufälligen GSZ-Stadion von Larnaka besuchten, erhielt dieses Endspiel seinen würdigen Rahmen – im Gegensatz zur Vorrunde betrug die Zuschauerzahl nun rund 200 und nicht zwischen fünf und fünfzehn (wovon jeweils der Großteil Angehörige der Spielerinnen und Trainer der anderen Mannschaften waren).

Beide Mannschaften spielten tollen Fußball und wir Beobachter auf der Tribüne konnten uns über viele Torraumszenen freuen. Nachdem die Asiatinnen bereits frühzeitig ihre Kapitänin mit einer roten Karte verloren, schafften sie es trotzdem, noch vor der Pause einen Rückstand auszugleichen und durch einen fragwürdigen Handelfmeter (Jena-Fans fühlen sich an Meppen erinnert) sogar in Führung zu gehen. Ein weiterer Platzverweis sorgte dafür, dass sie die verbleibende Spielzeit jedoch nur noch zu neunt bestreiten sollten und zehn Minuten vor Ende gelang den Südeuropäerinnen der erneute Ausgleich – Verlängerung.

Wer dachte, dass Nordkorea mit zwei Spielerinnen weniger nun Probleme bekommen sollte, wurde eines Besseren belehrt. Das Spiel wurde stattdessen von Minute zu Minute spannender für die Zuschauer. Ein diszipliniertes Nordkorea überzeugte durch gute Technik und perfekte Ballstafetten, die Italienerinnen ebenso. Erneut konnte man in Führung gehen, erneut legte Italien nach. In den letzten Minuten warfen beide Mannschaften alles nach vorn, im Minutentakt lag ein siebter Treffer in der Luft, doch die Partie wurde im Elfmeterschießen entschieden und wir kamen voll auf unsere Kosten -nicht nur, weil die nigerianische Mannschaft neben uns auf der Tribüne ihre afrikanischen Lieder zu singen begann. Auch die eigentliche Entscheidung vom Punkt hatte es in sich: die ersten 13 Schüsse, allesamt sehenswert, waren jeweils drin. Erst Nummer 14, der siebte Versuch der Italienerinnen scheiterte und bescherte Nordkorea den Turniersieg.

Die anschließende Feier der Asiatinnen war zurückhaltend, kaum eine Viertelstunde nach Abpfiff waren alle Spielerinnen und der Pokal im Mannschaftsbus verschwunden. Uns Fans gelang es jedoch, die Mädels für ein gemeinsames Foto hinter unserem Banner zu gewinnen. Die Spielerinnen waren davon sichtlich irritiert, solche Aktionen dürften in ihrer Heimat wohl kaum vorkommen, bescherten uns aber einen seltenen Schnappschuss.

Die Platzierungsspiele des Zypern-Cups 2019:

Platz 11: Slowakei – Ungarn 2:3

Platz 9: Finnland – Südafrika 3:0

Platz 7: Nigeria – Thailand 3:0

Platz 5: Tschechien – Mexiko 1:2

Platz 3: Österreich – Belgien 0:0 (2:3 nach Elfmeterschießen)

Finale: Nordkorea – Italien 3:3 n.V. (7:6 nach Elfmeterschießen)

 

Die Insel

Zwölf Tage Zypern minus vier Fußballtage ergibt noch acht Tage, um die Insel auf eigene Faust zu erkunden. Nach einem mehr oder weniger späten Frühstück nutzten wir unseren Mietwagen, um die interessantesten Flecken des Landes zu entdecken. Natürlich durften Ausflüge in die Hauptstadt Nikosia, die Hafenstadt Paphos, die in der Nebensaison beinahe ausgestorbene Touristenhochburg Ayia Napa sowie in das Hinterland mit seinen Gebirgszügen nicht fehlen. Doch auch Fans von Kirchen und Klöstern kommen auf Zypern auf ihre Kosten. Direkt vor dem Rückflug besuchten wir das Kloster Stavrouni (nur Männer haben Zutritt!), das auf einem rund 700 Meter hohen Berg mit fantastischer Aussicht über Larnaka liegt und nicht nur wegen des Einblicks in das schlichte Leben der hiesigen Mönche und der mit wunderschönen Wandmalereien ausgestatteten Kapelle eine Reise wert ist.

Zudem besuchten wir zwei antike Ausgrabungsstätten mit ihren Amphitheatern, Resten von alten Schwimmbädern und den typischen griechischen Säulen. Meist boten sich von den Stätten fantastische Ausblicke auf das Meer, doch mussten wir feststellen, dass man es manchmal mit der Restaurierung etwas übertrieben hatte und damit dem aufmerksamen Kulturfreund einen Teil der gewünschten Atmosphäre wieder nahm.

Auch Katzenfans kommen auf Zypern auf ihre Kosten. Die felligen Vierbeiner begegnen einem an jeder Ecke der Insel und werden seit Jahrhunderten von den Einheimischen liebevoll behandelt und versorgt. Entsprechend zutraulich sind die Tiere und freuen sich über jede Streicheleinheit und jeden Happen zu essen, den man ihnen mitbringt.