Mitgliederversammlung beim FF USV Jena

Rückblick auf die vergangenen Monate

Abstimmung bei der Mitgliederversammlung

"Visionen haben wir - nun gilt es, diese als Missionen umzusetzen." Mit diesen Worten beendete Jenas Geschäftsführer Christoph Schliewe die diesjährige Mitgliederversammlung des FF USV am Donnerstagabend. Gut fünfzig Vereinsangehörige und Gäste fanden den Weg ins Institut für Sportwissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität, die als Haupt- und Trikotsponsor des Vereins agiert. Als Versammlungsleiter führte Schliewe durch den gut eine Dreiviertelstunde dauernden Abend, bei dem die Mitglieder in allen anstehenden Abstimmungen Einigkeit zeigten.

Ein Rückblick auf das Jahr 2019

Den Großteil der Redezeit verwendete FF-USV-Vorstandsvorsitzender Torsten Rödiger für seine Berichte zum abgelaufenen Kalenderjahr. "Im Vergleich zu den Vorjahren, als ich hier vorne stand, fällt der Bericht von 2019 etwas anders aus", stieg Rödiger gleich ein.
Die Beinahe-Insolvenz des Verein vor gut zwölf Monaten ließ alle Mitglieder der FF-USV-Familie näher zusammenwachsen. "Die Arbeit war sehr nervenaufreibend, es ging für uns ums nackte Überleben. Jeden Tag sind wir durch die Gegend gefahren, um Unterstützer zu finden", so Rödiger. Nicht nur einmal bedankte er sich bei den Fans, die die #RetteUnsWerKann-Kampagne ins Leben riefen, bei allen Sponsoren, Partnern, Ehrenamtlichen, Trainern und Spielerinnen, die den Erhalt des FF USV Jena möglich machten. Ebenso galt sein Dank der Stadt Jena, die dem Verein in den schweren Zeiten zur Seite stand. "Im Rathaus kennt man mich mittlerweile als den Verrückten vom Frauenfußball, so oft wie ich dort war", musste er schmunzeln.
Doch auch fußballerisch gab es für Rödiger einiges zu berichten: "Für mich der sportlich-emotionale Höhepunkt 2019 war das Aufstiegsspiel in Saarbrücken. Wer da nicht dabei war, der hat etwas verpasst. So etwas erlebt man nur einmal."
In der aktuellen Saison konnte die Mannschaft noch nicht genügend Punkte einfahren und befindet sich mitten im Abstiegskampf, "doch ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Team das Können besitzt, um ab Februar aufzuholen."

Neue Saison, neues Personal

Auch personelle Veränderungen im Hintergrund fasste Rödiger zusammen. Nach dem Austritt von Prof. Dr. Heike Kraußlach, Edith Mittenzwei und Dirk Herzog aus dem Vorstand im Laufe der Saison 2018/2019 sowie zu Beginn der aktuellen Spielzeit bildete der Jenaer Rechtsanwalt gemeinsam mit Günther Reißmann einen Zwei-Mann-Vorstand. "Die Arbeit war so etwas unkonventionell, aber am Ende erfolgreich. Da wir in der letzten Saison keinen Geschäftsführer hatten, mussten wir einige Aufgaben auf andere Schultern verteilen und uns Unterstützung holen", so Rödiger. "Dadurch sind wir in Vorstand und Geschäftsstelle sowie ein Klasse-Team geworden. Die Zusammenarbeit hat sehr viel Spaß gemacht, jeder hat mit angepackt."
Die vakante Position des Geschäftsführers ist seit Juli nun mit Christoph Schliewe neu besetzt. Mit der bisherigen Zusammenarbeit zeigt sich Rödiger sehr zufrieden. "Wir haben uns bewusst für eine interne Lösung mit Christoph als bisherigem Nachwuchstrainer entschieden, im Nachhinein der richtige Weg."

Laura Brosius offiziell in den Vorstand gewählt

Seit Juli füllte die ehemalige FF-USV-Kapitänin Laura Brosius, die 2015 ihre Karriere beendete, den Vorstand als drittes Mitglied auf, wurde auf der Mitgliederversammlung nun auch offiziell im Amt bestätigt. Sie kümmert sich vorrangig um die sportlichen Belange der Bundesliga-Mannschaft des Vereins.
Der bisherige Vorstand wurde einstimmig entlastet, zur Wahl eines neuen kam es jedoch nicht, wie Rödiger mit Bedauern äußerte: "Leider haben sich nicht genügend Personen zur Wahl gestellt."

Der Schuldenabbau geht voran

Zufrieden stellte der FF-USV-Vorsitzende den Finanzbericht der Saison 2018/2019 - das Geschäftsjahr des Vereins endet am 30. Juni - vor. Während man die Spielzeiten 2016/2017 und 2017/2018 mit einem Minus von 97 000 Euro bzw. 15 000 Euro abschloss, so konnte man im Zweitligajahr ein Plus von 15 600 Euro erwirtschaften. "Natürlich muss man hier die zahlreichen Spenden einrechnen, die es in dieser Form kein zweites Mal geben wird", erklärte Rödiger. "Die Zahlen zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind."
Nach dem Aufstieg in die FLYERALARM Frauen-Bundesliga konnte der Verein seine Verbindlichkeiten von -504 000 am 30. Juni auf -446 000 Euro zum 31. Dezember reduzieren. "Unser Ziel ist es, die Schulden Schritt für Schritt zu senken." Dabei erklärte Rödiger den Anwesenden, dass der Großteil von 300 000 Euro einem Darlehen des belgischen Investors Roland Duchâtelet entstammt, das erst bei erheblicher finanzieller Verbesserung des Vereins zurückgezahlt werden muss.
Der Kassenprüfbericht, erstellt von Steuerberater Thomas Förster und Hans-Jürgen Meyer, wies darüber hinaus keine Beanstandungen auf.

Neue Einnahmequellen finden

Natürlich sei im Verein das Geld weiterhin knapp bemessen, so die weiteren Inhalte des Berichts. Die Trennung zwischen ideellem und wirtschaftlichem Bereich, wobei die erste Mannschaft letzterem zufällt, führt aktuell noch nicht dazu, dass der wirtschaftliche Bereich sich selbst tragen kann. "Wir sparen bereits, wo wir können. Also müssen wir versuchen, anderweitig Einnahmen zu generieren", so Rödiger. Einige Konzepte hierfür seien bereits aufgestellt und würden in den kommenden Wochen präsentiert. Auch in der aktuellen Saison führt der Wirtschaftsbeirat des Vereins, der sich aus Vorstandsmitgliedern und Sponsoren zusammensetzt, seine Arbeit weiter fort, um neue Geldquellen zu ermitteln und Partner zu gewinnen. "Wir haben auch die letzten Wochen wieder intensiv mit Sponsorenpflege verbracht."
Mit rund 600 000 Euro hat der FF USV Jena den geringsten Jahresetat der FLYERALARM Frauen-Bundesliga, insofern bilde auch in der Zukunft ganz klar die Nachwuchsarbeit das Ziel des Vereins.

Ein Blick in die Zukunft

Ebenso äußerte sich Torsten Rödiger zur Zukunft des Vereins und einer schon seit Langem im Raum stehenden Fusion mit dem FC Carl Zeiss Jena. "Die Gespräche in diese Richtung existieren. Vom DFB ist es gewünscht, dass Lizenzvereine in den Frauenfußball einsteigen. Mit ihren finanziellen Möglichkeiten können sie den Sport voranbringen. Doch wir werden hier nichts überstürzen. Die Rahmenbedingungen für uns müssen passen und unsere eigenen Ziele umsetzbar sein."

Rede des Vereinsurgesteins Werner Riebel

In diesem Jahr seinen 83. Geburtstag feiernd und bereits seit 63 Jahren im Jenaer Universitätssport aktiv, nahm sich FF-USV-Vereinsurgestein und früherer Vorsitzender Prof. Dr. Werner Riebel die Zeit, um auch in diesem Jahr einige Worte an die Anwesenden zu richten. Dabei suchte er bewusst den Blick über den Tellerrand und gab seine Eindrücke zum Geschehen in der Welt und im Fußball preis. In Bezug auf die sportliche Situation des Vereins endete er mit einem Statement Che Guevaras, das durch den Aufgriff Greta Thunbergs jedoch nichts an seiner Aktualität verloren hat: "Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche."

 

Foto: Hannes Seifert / FF USV Jena

 

 
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