Rückblick auf das Double: „Fußballerisch, menschlich und als Team entwickelt“

FF USV Jena U21: Großes Interview mit dem Erfolgs-Verantwortlichen an der Seitenlinie, Christian Kucharz – Teil 1

Rückblick auf das Double: „Fußballerisch, menschlich und als Team entwickelt“

 

Regionalliga-Meister und Pokalsieger – Fünf Abgänge zum Sommer

 

Mit am Ende drei Punkten Vorsprung wurde die U21-Auswahl der Blau-Weißen vor dem ärgsten Konkurrenten, dem spielstarken Magdeburger FFC, Ende Mai Regionalliga-Meister und machte damit den Wiederaufstieg in die 2. Frauen-Bundesliga perfekt.

Eine Woche darauf, verteidigte am ersten Juni-Wochenende die Meister- und Aufstiegself in Weimar erfolgreich den Thüringer Verbandspokal der Frauen. Im Stadion auf dem Lindenberg holte die U21 gegen den gastgebenden Verbandsligisten Weimarer FFC damit erwartungsgemäß das Double 2016/17.

Beim 6:0-Finalerfolg traf unter anderem Franziska Mai zum 2:0-Halbzeitstand; für sie war es zugleich der Abschiedstreffer für die Nachwuchself aus dem Jenaer Paradies. Mai ist eine von fünf Spielerinnen aus dem Kader, die der Verein zur neuen Saison und mit großem Dank für ihr Engagement in den vergangenen Jahren verabschiedet.

 

Neben Franziska Mai, die zum 1. FC Nürnberg wechseln wird, verabschiedet der FF USV Laura Siegler, die seit 2011 für die Universitätsstädterinnen spielte und nun ebenfalls den Club in Richtung Bayern verlässt. Für Michelle Klinger – in der zurückliegenden Saison auch als Trainerin der vereinseigenen E2-Mädchen (U11) aktiv – geht der Weg nach England. Die mit elf Toren treffsicherste Jenaerin der abgelaufenen Regionalliga-Saison, Marie-Kristin von Carlsburg wird studiumsbedingt nach Dresden wechseln. Celine Schöppe, die wie Mai während ihrer Zeit beim FF USV auch schon dem Erstliga-Kader angehörte, führt die private Zukunft die Saale stromabwärts nach Halle in Sachsen-Anhalt.

 

Im zweiteiligen Interview auf ffusvjena.de blickt Double-Trainer Christian Kucharz zunächst auf zurückliegende Aufstiegssaison zurück – ehe im zweiten Teil der Ausblick folgt, auf die 2. Frauen-Bundesliga-Saison 2017/18. Dort wartet auf den Aufsteiger bekanntlich eine zusätzlich große Herausforderung: Da die 2. Liga im nächsten Jahr eingleisig wird, spielt Jenas U21 als eines von 22 Teams in den beiden Staffeln um die nur 14 Plätze in der neuen Spielklasse der Folgesaison.

 

 

U21-Coach Christian Kucharz im Interview

 

Presseteam des FF USV Jena: Christian, mit dem nötigen Abstand zu den Spielen und der ganzen nun zurückliegenden Saison in der NOFV-Regionalliga Nordost: Wann wusstet ihr eigentlich „Wir werden Meister“?


Christian Kucharz: Garantien und hundertprozentiges Wissen gibt es im Fußball erst, wenn auch rechnerisch alles sicher ist – das war bei uns mit dem Schlusspfiff am letzten Spieltag in Babelsberg.

Wenn du jedoch nach dem Gefühl fragst, so war sicherlich das Spiel in Magdeburg so ein besonderer Moment. Mit diesem Sieg beim unmittelbaren Konkurrenten, vor allem mit der Art und Weise, hat sich die Überzeugung und das Gefühl ‚Wir können Meister werden‘ nochmal gesteigert. An diesem Tag haben wir Magdeburg in der Tabelle überholt und hatten es jetzt fünf Spieltage vor Saisonende selber in der Hand. Die Emotionen und Freude unmittelbar nach dem Spiel sprachen dabei eine eigene und unmissverständliche Sprache.

 
Was waren die Highlights dieser Saison, an deren Ende das Double stehen sollte?

 

Wenn man Highlights als einmalige Ereignisse definiert, die positive Emotionen freisetzen, so gab es diese Saison – auf und neben dem Platz – sicherlich mehrere. Eines habe ich mit dem Spiel in Magdeburg ja bereits angesprochen.

Mein persönliches Highlight entzieht sich jedoch etwas dieser Definition, da es eher ein Prozess als ein einmaliges Ereignis war: Zu sehen, wie sich die Mannschaft, die vor der Saison völlig neu zusammen gestellt war, fußballerisch, menschlich und als Team von Woche zu Woche, von Monat zu Monat, entwickelt hat, mit welcher Akribie und Disziplin sie im Training arbeitet und neben dem Platz immer mehr zusammenwächst – das war mein persönliches Highlight 2016/2017.

Darüber hinaus vergesse ich nie, dass Gesundheit wichtiger ist als jedes Spielergebnis: Daher waren das Comeback Anja Heuschkels im November 2016, welches sie mit einem Traumtor krönte, sowie der erste Einsatz Luisa Lagaris´ nach ihrer überstandenen Kreuzbandverletzung ganz besondere Momente in meinem individuellen Saisonrückblick.


Die Regionalliga Nordost sorgte dieses Spieljahr schon vor Saisonbeginn für Schlagzeilen: Der frühere Zweitliga-Meister 1. FC Lübars zog sein Team zurück und die Liga startete somit von vornherein nur als Elfer-Staffel. Während der laufenden Rückrunde folgte dann der FFV Leipzig; zum Saisonende hin kündigte schließlich der 1. FFV Erfurt an, zukünftig nicht mehr antreten zu können.

Aus der Perspektive des späteren Meisters betrachtet und kommentiert: Hat gerade dieses Geschehen „neben dem Platz“ die Saison „auf dem Platz“ in irgendeiner Weise vor- oder mitgeprägt?

 

Prinzipiell ist es nie schön, wenn vor oder gar in der Saison Mannschaften zurückziehen. Freie Wochenenden, wenn eigentlich normale Spieltage der Regionalliga sind, und rückwirkende Punktekorrekturen verzerren die Liga und sind keine glückliche Konstellation.

Unabhängig davon ist es meine Devise sich nicht mit Dingen aufzuhalten, die man nicht beeinflussen kann. Daher haben wir uns sowieso nur auf die Entwicklung der Mannschaft konzentriert und diese angesprochenen Rahmenbedingungen haben für uns somit im Trainings- und Saisonalltag keine Rolle gespielt.

 

Um das zu vertiefen, sei dennoch die zugespitzte Nachfrage gestellt: Hat die Regionalliga ein Strukturproblem? Und aus der Sicht eines zukünftigen „Nicht-mehr-Regionalligisten“ die Folgefrage: Wie siehst du das zukünftige Potenzial und die Entwicklung der Dritten Frauen-Liga in den kommenden Jahren im Allgemeinen?

 

Würde man Teil eins der Frage den zwölf – beziehungsweise elf – Regionalligisten stellen, so kämen sicherlich genauso viel verschiedene Antworten heraus. Daher fällt es mir schwer pauschal und in Kürze auf eine Frage zu antworten, die eine detaillierte Differenzierung benötigt.  So mal man zuvor sicherlich über die Zielstellung der Liga diskutieren müsste.

Ich denke, und da komme ich zu Teil zwei der Frage, in den kommenden Jahren wird es dabei einfacher einen Konsens zu erzielen. Durch die Einführung der eingleisigen 2. Frauen-Bundesliga in der Saison 2018/2019 wird es zu einer enormen sportlichen Aufwertung der Regionalligen kommen.

Sollte es dazu weitere Unterstützung durch den NOFV geben, so könnten Strukturen optimiert und das Potenzial der NOFV-Regionalliga noch mehr erhöht werden. Als Unterbau der beiden Frauen-Bundesligen – mit den besten Vereinen aus dem großen Gebiet des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes – sollten alle Vereine und Verbände aus diesem Gebiet stolz auf die NOFV-Regionalliga sein.

 

Die Erwartungen des Aufstiegsteams und des Trainers an die neue Liga? Der Kader des zukünftigen Zweitligisten? ... Lesen Sie in den kommenden Tagen alles hierzu im zweiten Teil unseres Interviews.

 

Text: Presseteam des FF USV Jena

Foto: E. Wutke / NOFV