„Ich bin eine Führungsspielerin“

Winterneuzugang Erin McLeod über ihren Wechsel zum FF USV Jena.

„Ich bin eine Führungsspielerin“

 

FF-USV-Torhüterin Antonia Knupfer trat in der Winterpause mit der Bitte an den Verein heran, ihren Vertrag auflösen zu können. Der Verein stimmte dieser Bitte unter der Bedingung zu, dass unmittelbar Ersatz gefunden werden könne. Zu groß das Risiko, mit nur zwei Torhüterinnen in die Rückrunde zu gehen, die noch dazu beide schon in der Hinrunde nicht dauerhaft verletzungsfrei geblieben waren. Cheftrainerin Katja Greulich ließ daher ihre Verbindungen nach Schweden spielen. Erst in dieser Winterpause war mit Ella Masar McLeod eine Spielerin vom FC Rosengård nach Wolfsburg gewechselt. Ihre Mannschaftskollegin und Ehefrau, die Torhüterin Erin McLeod, war bis zum Ende des letzten Jahres ebenfalls in Malmö aktiv. Ein Wechsel nach Deutschland war also auch für sie nicht ausgeschlossen, doch dass sie am Ende ausgerechnet in Jena unterschreibt, hätten wohl weder Fans der Spielerin, noch Anhänger des FF USV gedacht. In den sozialen Medien stand ein Transfer in die USA hoch im Kurs und auch ein Wechsel zum neuen Verein Masars, nach Wolfsburg, schien nicht ausgeschlossen. Trotz aller Theorien sollte die Wahl auf Thüringen fallen.

Wie kam es, dass du dich für einen Wechsel nach Jena entschieden hast?

Erin McLeod: „Unterschiedliche Dinge haben zu meiner Entscheidung geführt. Zum einen habe ich bereits vorher mit Katja Greulich gearbeitet. Das spielte eine große Rolle, denn ich habe eine hohe Meinung von ihr. Außerdem wollte ich mich dieser Herausforderung stellen. Aufgrund einer langwierigen Verletzung hatte ich in den letzten zwei Jahren nicht viele Einsätze. In Jena möchte ich nun wieder möglichst viel Spielzeit sammeln.

Darüber hinaus denke ich, dass ich diesem Team helfen kann. Ich bin älter als meine Mannschaftskolleginnen und eine Führungsspielerin. Meine Erfahrung möchte ich einbringen, um die gesamte Mannschaft zu stärken.“

Wie sehen deine Ziele für die Rückrunde aus?

Erin McLeod: „Ich möchte mich wieder als Nummer 1 im Tor der kanadischen Nationalmannschaft etablieren. Wie ich bereits sagte, möchte ich viel Einsatzzeit bekommen und Erfahrungen sammeln. Ich bin sehr streng mit mir selbst und möchte mich daher immer weiterentwickeln.

Ich weiß aber auch, dass ich bereits etwas älter bin und nicht mehr allzu lange spielen werde. Deshalb möchte ich die Zeit als Fußballerin genießen. Fußball ist am Ende ein Spiel und das sollte Spaß machen!“

Der Konkurrenzkampf auf der Torhüterinnenposition wird in Jena somit mehr als nur ein wenig angeheizt. Mit nun zwei A- und einer Nachwuchsnationaltorhüterin ist die Allianz Frauen-Bundesligamannschaft des FF USV Jena sehr gut besetzt.

Doch gerade von der Erfahrung einer Erin McLeod dürfte der FF USV Jena profitieren. Die 34-Jährige wurde 2012 olympische Bronzemedaillengewinnerin und spielte darüber hinaus in den Fußballoberhäusern der USA und Schwedens.

FF-USV-Cheftrainerin Katja Greulich ist sehr froh darüber, dass du dich für Jena entschieden hast. Zu deiner Verpflichtung sagte sie, dass du eine der besten Torhüterinnen der Welt bist. In der Tat kannst du auf viele Erfolge zurückblicken. Auf welche deiner Errungenschaften bist du besonders stolz?

Erin McLeod: „Meine Erfolge teilen sich in die Kategorien auf und neben dem Platz. Auf dem Platz war mein größter Erfolg auf jeden Fall der Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in London 2012. Stolz machte mich das vor allem, weil es unsere Leistung als Team unterstrich und wir uns dafür belohnen konnten. Das ist auch einer der Gründe, warum ich jetzt so froh bin, hier zu sein. In Jena herrscht ein ähnlicher Teamgeist. Die Mädels hier spielen in erster Linie für den Namen, der vorne auf dem Trikot steht, nicht für den eigenen auf dem Rücken.

Neben dem Platz zähle ich zu meinen größten Erfolgen ganz klar, meine lange Knieverletzung überstanden zu haben, denn es war schwer für mich, so lange nicht spielen zu können. Und dann ist da noch meine Ehefrau. Zu heiraten ist sich einer meiner größten Erfolge. Ella ist mein Antrieb auf und neben dem Platz.“

… Was uns zu einem anderen Thema führt. Ella Masar McLeod wechselte in der Winterpause zum VfL Wolfsburg. In der Allianz Frauen-Bundesliga wirst du so nun auf deine Ehefrau treffen. Was ist das für ein Gefühl?

Erin McLeod: „Wir beide nehmen Fußball sehr, sehr ernst und wollen immer die Besten sein. Wenn Ella auf mein Tor schießt, werde ich natürlich besonders motiviert sein, den Ball zu halten, weil ich weiß, was ich mir sonst hinterher anhören darf (lacht.).

Es ist natürlich eine große Ehre gegen sie spielen zu dürfen. In meinen Augen ist sie eine der besten Fußballerinnen der Welt. Wir haben zusammen trainiert und zusammen gespielt. Nun spielen wir gegeneinander.“

Habt ihr bereits in früheren Jahren gegeneinander gespielt?

Erin McLeod: „Ja, noch bevor wir zusammen waren. Sie war immer sehr motiviert und mit vollem Einsatz in den Zweikämpfen. Ich habe mich damals gefragt, wer ist diese aggressive Amerikanerin? Ein paar Jahre später sind wir verheiratet. Ihr Einsatz und Wille, Spiele zu gewinnen gefällt mir.

Wie vor ihr, habe ich aber auch vor all den anderen grandiosen Fußballerinnen in dieser Liga Respekt. Ich freue mich auf diese Herausforderung, denn ich denke, dass ich mich in der Bundesliga noch weiterentwickeln kann.“

Nun bist du erst seit Kurzem in Jena. Hattest du bereits Zeit, die Stadt ein wenig kennenzulernen?

Erin McLeod: „Ein bisschen. Das Geländetraining, das unsere Mannschaft in der Rückrundenvorbereitung absolvierte, führte uns durch die Stadt und auf die umliegenden Anhöhen. Auch ein paar schöne Restaurants habe ich bereits entdeckt. Mit mir sind meine beiden Chihuahuas nach Jena gekommen, so bin ich viel in den Wäldern um die Stadt unterwegs. Die Aussicht von den Bergen ist wunderschön.

Jena vereint die Groß- und die Kleinstadt und bietet das Beste aus diesen beiden Welten. Das gefällt mir!“

Nach Shannon Woeller, Tiffany Cameron und Amelia Pietrangelo ist Erin McLeod bereits die vierte Kanadierin, die sich dem FF USV Jena anschließt. In den kommenden Wochen und Monaten wird die Torhüterin die Chance erhalten, ihre Führungsstärke und Erfahrung in der Allianz Frauen-Bundesliga unter Beweis zu stellen. Wir wünschen dabei viel Erfolg und sagen:

Herzlich willkommen in Jena, Erin!